Rezension von
Gerhard Josten Rochade Europa , 2/2008 , S.59
Der Hauptautor
Reinhold Ripperger und seine zwei Co-Autoren Hendrik Tabatt und Dr.
Mario Ziegler sind erfahrene
Schachtrainer. Sie liefern mit diesem Buch eine Gemeinschaftsarbeit ab,
die durchaus als umfassend und gewissenhaft
bezeichnet werden darf, denn ihre Analysen halten jeder Überprüfung
Stand.
Die Autoren
gliedern ihr Buch in die vier Kapitel "Grundlagen", "Prinzipien", "Der
Wert der Steine" und "Die
Stellungstransformation", die jeweils wiederum in verschiedene
Unterkapitel mit weiteren Abschnitten unterteilt
sind. Eingerahmt wird das Buch mit einem Vorwort von Reinhold Ripperger
und einem abschließenden Verzeichnis der
zitierten Quellen. Der Rücktitel beschreibt das Buch in zutreffender
Weise.
Dieses Buch
wird Ihr schachliches Denken verändern! Die Schachweltmeister waren
ausnahmslos große Endspielexperten!
Das lässt den Schluss zu, dass eine profunde Kenntnis der letzten
Partiephase zu einer hohen Spielstärke führt.Wer
früher als der Gegner im Mittelspiel erkennt, in welches Endspiel
abgewickelt werden muss, erzielt einen gewinnbringenden
Vorteil. Dieses Buch räumt mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf,
dass Endspieltraining langweilig ist.
Anhand von mehr
als 150 ausgesuchten Partiebeispielen werden zunächst Prinzipien wie
"Der Kampf um die Initiative",
"Die Prophylaxe", "Die Zentralisierung des Königs" und "Die zweite
Schwäche" erläutert. Dann wird die Frage aufgeworfen,
wie sich der Wert der Steine im Verlauf der Partie verändert. In diesem
Abschnitt werden Themen wie "Das Läuferpaar im
Endspiel", "Der Freibauer" oder "Die Dame gegen andere Steine" zur
Sprache gebracht. Schließlich wird im Abschnitt
Stellungstransformation demonstriert, wie ein errungener Vorteil
umgewandelt oder ausgebaut wird.
Es geht in
diesem Buch um die Fähigkeit, eine exakte Stellungsbeurteilung zu
erstellen, positionelle Muster zu
erkennen und den richtigen Plan abzuleiten. Der Leser bekommt wertvolle
Tipps zum Thema Schachpsychologie und über
das Verhalten in der letzten Partiephase. Insgesamt haben die Autoren
154 Partien untersucht und dabei das
Spektrum sehr weit gestreut: Es reicht von Schachweltmeisterpartien bis
hin zu eigenen Partien, wobei Hendrik
Tabatt sich sogar nicht scheut, eine eigene Verlustpartie an das Ende
des Buchs zu setzen. Kompliment! Er zeigt
das Remisangebot seines Gegners, das er aber ablehnte, um am Schluss
gar zu verlieren. Warum er verlor, das schildert
er mit ausführlichen Worten im Buch.
Diese
Partie ist allerdings nicht typisch für das Buch. Oft setzt die
Kommentierung schon direkt nach der Eröffnung
einer Partie ein, so dass auch schon einmal mehr als 60 Züge zu
verfolgen sind, und von Philosophie ist nur ein
einziges Mal die Rede: Messerscharfe Analysen stehen im Mittelpunkt.
Das Mittelspiel kommt in diesem Buch auch
nicht zu kurz. Wenn der Leser es genau nimmt und das Buch intensiv
studiert, dann ist ein jahrelanges Studium
erforderlich, wenn Schach nicht seine tägliche Arbeit ist, denn das
Buch fordert wegen der Tiefe der Gedanken
sehr viel Zeit und Anstrengung.
Jeder
Vereinsspieler wird seine Freude daran haben, das Engagement der
Autoren nachzuempfinden. Man spürt geradezu
ihre Begeisterung für das Auffinden letzter Raffinessen im Endspiel.
Das Buch ist daher sehr empfehlenswert.
Rezension von
Gerhard Josten Rochade Europa , 2/2008 , S.59