Tanz auf dem Vulkan
Rezension von
Frank Große
http://schachtraining.blog.de, vom 21.05.2010
Ohne den
Untertitel "Eine Studie zum Milner-Barry-Gambit " würde der Titel des
vorliegenden Buches des kleinen Verlages kaum auf ein Schachbuch
schließen lassen. Doch die Inhalte lassen keinen Zweifel und schließen
vor allem ideal an das letzte Kapitel des "Alterman Gambit Guide /
White Gambits" an.
Das in 117 Partien vermittelte Material untergliedert sich neben einer
kleinen Einführung in die folgenden Abschnitte:
* Die Ablehnung des Gambits
* Die Annahme des Gambits
* Die Hauptvariante
Im Zweispaltendruck dargestellt, findet der Leser ein
Partiensammelsurium vor, das durch alle Spielstärkestufen gleitet.
Während Alterman der Ablehnung des Gambits keine Aufmerksamkeit
schenkt, widmet Ripperger diesem 22 Seiten und zeigt einige
(zweifelhafte) Nebenvarianten auf, die insbesondere auf Vereinsniveau
durchaus anzutreffen sein könnten.
Im Kapitel der Annahme des Gambits konzentriert sich der Autor auf die
Zugfolge 8... Sxd4 9. Sbd2 und belegt mit Partien deren Anwendung,
bevor einige Partien sich der Annahme des zweiten Bauern e5 widmen:
8... Sxd4 9. Sxd4 Dxd4 10. Sc3 Dxe5 11. Te1 Dd6 12. Sb5 Db6 . Ebenso
wie im Alterman-Buch bricht hier die Analyse mit dem Kommentar, dass
Schwarz bei korrektem Spiel Remis hält, ab. Beide Publikationen sehen
keine Möglichkeit, dieser Variante auszuweichen, wenn Schwarz sich mit
dem halben Punkt zufrieden gibt! Während Alterman dem Zug 10... Db6
keine weitere Aufmerksamkeit schenkt, attackiert Rippberger diesen
Rückzug mit 11. a4 , kommt aber zu der Erkenntnis, dass er dies nicht
als Widerlegung betrachtet, räumt dem Weißen aber aussichtsreiche
praktische Chancen ein.
Beide Bücher widmen das Hauptaugenmerk auf den Zug 10... a6 , was bei
Ripperger sogar als Hauptvariante deklariert wird. Während Ripperger
mehr Partien benötigt, um zur optimalen weißen Zugfolge zu gelangen,
konzentriert sich Alterman auf das Wesentliche. Beide Seiten gelangen
zu dem Schluss, dass Weiß über gute praktische Möglichkeiten verfügt
und sehen einem kompromisslosen Kampf um den vollen Punkt gegenüber.
Das Buch ist letztlich eine Zusammenstellung zum Milner-Barry-Gambit,
die für den Leser aber auch das eigene Auseinandersetzen mit der
Thematik fordert, aber keine der Farben favorisiert. Die kleinen
Zwischen-Fazits nach einzelnen Varianten hätten durchaus etwas mehr
optischer Hervorhebung erlaubt. Ein Eröffnungsbaum im Anhang wurde
vermisst, um Partien zu Schlüsselstellungen schneller aufzufinden.
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