Herbert Bastian
Ein "Schachverrückter" aus dem Saarland

Ein Porträt von Herbert Bastian


Nur ein Verrückter kann so leidenschaftlich über Schach sprechen wie Herbert Bastian. Spieler, Trainer, Funktionär und Autor in einer Person und das alles auf hohem Niveau, da muss man schon ganz schön verrückt sein.
 
Herbert Bastian hat das Schach im Saarland wie kein anderer geprägt. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für bessere Bedingungen, geordnete Strukturen und die Verbesserung der Spielstärke.
 
Steckbrief
Name: Herbert Bastian
Geburtsdatum: 10. Dezember 1952
Geburtsort: Emmersweiler
Familienstand: verheiratet
Beruf: Studienrat für Physik und Mathematik
Hobbies: Fußball und Kosmologie
 
Der Schachspieler
Herbert Bastian ist 19facher Saarlandmeister! Er nahm 18 mal an den Deutschen Einzelmeisterschaften teil, was sicher rekordverdächtig ist. Seine beste Platzierung erzielte er 1984 mit dem 4. Platz. Im Jahre 1976 wurde er Deutscher Pokalsieger!
 
Von 1982 bis 1992 spielte Herbert Bastian 150 (!) Partien in Folge in der 1. Bundesliga für den Schachclub München 1836. Bei der Teilnahme an einem GM-Turnier 1981 in Baden Baden gelang ihm ein Sieg über den damaligen Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi.
 
Bestandteil seines schachlichen Werdegangs ist die Teilnahme am Großmeister-Turnier in Hannover 1983 (u.a. mit dem damaligen Weltmeister Karpov). Darüber hinaus spielt er seit 1992 am Spitzenbrett der SVG Saarbrücken 70 und seit 2001 spielt er parallel für den französischen Club Epinal in der Nationale 1 (entspricht unserer 2. Bundesliga)
 
Im Jahr 2005 erhielt er den Titel des Internationalen Meisters.

Der Trainer
Im Jahre 1986 erwirbt er die A-Lizenz des Deutschen Schachbundes. Bei der Studentenweltmeisterschaft ist er 1990 (Odessa), 1992 (Antwerpen) und 1996 (Leon) neben seinem Freund Herrmann Schreiner
als begleitender Trainer der Deutschen Mannschaft tätig.
Er entwickelt ein Konzept für das Schachsportabzeichen und gehört der Ausbildungskommission des DSB seit 1996 an.
 
Im Saarland ist Herbert Bastian seit vielen Jahren als Trainer tätig und bildet sowohl Trainer als auch Spieler aus.
 
Der Funktionär
Herbert Bastian  steht dem Saarländischen Schachverband seit 1992 als Präsident vor. Seit 2004 ist er Sprecher des Arbeitskreises der Landesverbände (AKLV).
 
Er ist Mitglied der Steuerungsgruppe Strategie des DSB und Organisator der Deutschen Einzelmeisterschaften 1996 in Dudweiler, 2002 und 2009 in Saarbrücken.
 
Der Autor
In der Schachecke der Saarbrücker Zeitung bringt er seit 1991 Woche für Woche seinen Lesern die Welt des Königlichen Spiels näher.
 
Er schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Jugendschach und hat im Eigenverlag drei Werke für den Schachanfänger veröffentlicht.
 
 
Das Interview
 
ChessCoach: Wie bist du zum Schach gekommen?
Herbert Bastian: Mein Vater hat mir die Regeln erklärt und mit mir gespielt. Da muss ich so 8-10 Jahre alt gewesen sein. Freunde von mir haben dann 1966 in Emmersweiler einen Schachclub gegründet, dem ich ein paar Monate später beigetreten bin.
 
ChessCoach: Gibt es einen Spieler oder Trainer, der dich stark beeinflusst hat?
Herbert Bastian: Mein erster Trainer war Reinhold Hoffmann, der meine Liebe zum Schachspiel erheblich mitgeprägt hat. Darüber hinaus habe ich mich mit den Büchern von Kurt Richter beschäftigt, was ich heute im Rückblick als eher schädlich ansehe, da sich Richter fast ausschließlich mit der Taktik beschäftigt. Als erste Biografien habe ich die über Aljechin und Lasker gelesen. Dann war ich selbstverständlich wie alle Spieler meiner Generation von Bobby Fischer, aber auch von seinen Rivalen wie Larsen, Spassky, Petrosjan oder Korchnoj begeistert. Mein heutiges Schachverständnis habe ich überwiegend als Autodidakt entwickelt. Wichtige Impulse kamen von den vielen Kontakten mit starken Spielern auf Bundesebene und international sowie in der C-Kader-Schulung, die auf Bundesebene leider erst anlief, als schon fast 25 Jahre alt war. Die Lehrgänge mit dem damaligen Bundestrainer Sergiu Samarian haben mir viel gebracht. Als entscheidend für mein heutiges Spiel sehe ich jedoch meine eigenen Studien an, die mir geholfen haben, effektive Denkmethoden zu entwickeln.
 
ChessCoach: Wie würdest du deinen Schachstil bezeichnen?
Herbert Bastian: Ich spiele Kampfschach und setze sowohl strategische als auch taktische Mittel ein. Ich spiele sehr scharf und versuche ausgeglichene Stellungen zu vermeiden.
 
ChessCoach: Wen hältst du für die am meisten über- und am meisten unterbewertete Person der Schachgeschichte?
Herbert Bastian: Ich fühle mich nicht kompetent genug diese schwierige Frage zu beantworten.  Jeder Spieler hat von seinen Zeitgenossen etwa die Wertschätzung die er damals verdient hat. Ich möchte nicht im Nachhinein jemandem seinen Ruhm streitig machen den er sich zu Lebzeiten verdient hat.
Bei den unterschätzten Spielern fällt mir Robert Hübner ein. Er ist wirklich ein sehr starker Spieler.
 
ChessCoach: Was ist für dich die schädlichste Entwicklung im modernen Schach?
Herbert Bastian: Dass das Schachgeschehen mehr und mehr ins Internet verlagert wird, tötet die Vereine und die Schachkultur.

ChessCoach: Mit welchem Slogan würdest du für Schach werben?
Herbert Bastian: Schach ist ein Schlüssel zu einem wesentlichen Teil menschlicher Kultur!

ChessCoach: Mit welchen Vorurteilen über dein Schach oder deine Person würdest du gern aufräumen?
Herbert Bastian: Das Vorurteil ich sei ein Diktator.

ChessCoach: Welche Eigenschaften von Schachspielern siehst du als typisch an (positiv/negativ)?
Herbert Bastian: Schachspieler sind oft tolerant und intelligent. Auf der anderen Seite aber auch manchmal etwas weltfremd.

ChessCoach: Welche Themen möchtest du in der Schachöffentlichkeit bzw. Schachpresse stärker behandelt wissen?
Herbert Bastian: Kulturelle und historische Aspekte.

ChessCoach: Welches Buch hast du zuletzt gelesen?
Herbert Bastian: „Wenn unsere Kinder zu Tyrannen werden“ von Winterhoff.
 
ChessCoach: Was möchtest du in deinem Leben noch lernen bzw. bedauerst du, es nie erlernt zu haben?
Herbert Bastian: Klavier spielen.

ChessCoach: Welchen Traum möchtest du dir noch erfüllen?
Herbert Bastian: Oh! Da muss ich kurz nachdenken. Ich wünsche mir, dass wir Menschen mit den vorhandenen Ressourcen sorgsamer umgehen.

ChessCoach: Was ist dir peinlich?
Herbert Bastian: Dass ich keine Krawatten binden kann.

ChessCoach: Wie lautet dein Lebensmotto?
Herbert Bastian: Immer nur den Blick auf das Positive wenden!

ChessCoach: Welchen Missstand in Deutschland würdest du zuerst beseitigen, wenn es in deiner Macht stünde?
Herbert Bastian: Unser Bildungssystem ist ein echter Missstand, weil wir uns bei der Förderung nicht hinreichend an der Begabung und den Fähigkeiten der Kinder orientieren. Die praktischen und künstlerischen Fähigkeiten kommen zum Beispiel zu kurz gegenüber den kognitiven Fähigkeiten.
 
ChessCoach: Wer sind für dich die beeindruckendsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte?
Herbert Bastian: Mutter Theresa und Ghandi.

Vielen Dank für das Gespräch!


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