Herbert BastianHerbert Bastian
Oberliga Südwest 2009/10



1. Spieltag - 18. Oktober 2009

Die erste Runde der Oberligasaison 2009/10 brachte mit dem Aufeinandertreffen des SC Caissa Schwarzenbach und des Aufsteigers SF Wadgassen/Differten das erste von vielen Saarland-Derbys. Leider konnte unser Gast nur 7 Spieler aufbieten, so dass ich am 8. Brett kampflos gewann. Selbst wenn der zeitgleich stattfindende Spieltag in Frankreich den Einsatz der starken französischen Spieler aus Wadgassen verhinderte ist es meiner Meinung nach kein gutes Zeichen, wenn schon am ersten Spieltag keine komplette Mannschaft gestellt werden kann.

Bretter 5 bis 7

Das Match lief – wenig überraschend – einseitig. Das 2:0 besorgte Alexander Gress, der eine messerscharfe Sizilianisch-Stellung besser behandelte als sein Gegner Hans Fleckner. Es folgte ein Remis an Brett 5, wo Jörg Becker mit der unorthodoxen Eröffnungsbehandlung seines Gegners Jean-Claude Thiel nicht zu Recht kam und, nachdem er einen falschen Plan gewählt hatte, eher schlechter stand. Zu unseren Gunsten lief aber die Partie am Spitzenbrett. 

Müller - Tabatt

Hendrik Tabatts lakonischer Kommentar nach der Partie: „Du bist mir in eine Variante gelaufen.“, und Hans-Georg Müllers ebenso knappe Antwort: „Hab ich mir gedacht. Aber ich wollts mir zeigen lassen.“ sagen alles über die Partie.

Spitzenbretter 1 bis 3

Ein weiteres Remis an Brett 2. Hannes Callam stand – auch nach seiner eigenen Einschätzung – gegen den starken Jugendspieler Denis Müller besser, entschied sich aber, stark erkältungsgebeutelt, ein Remisangebot zu akzeptieren. Den Siegpunkt verbuchte Dr. Jan Bürmann in einem Turmendspiel gegen Jörg Kessler. Kurios verliefen die beiden letzten Partien. Unser Neuzugang Dr. Matthias Bureik hatte nach aggressiver gegnerischer Eröffnung früh zwei Mehrbauern kassiert und – so beurteilten wir alle die Stellung – die Angriffsbemühungen seines Gegners Jürgen Raphael erfolgreich abgewehrt. Bei knapper Zeit entschied sich Matthias dann, taktisch vielleicht etwas ungeschickte, für einen Plan, der viel Aufmerksamkeit in der Verteidigung erforderte. Hier unterlief ihm der entscheidende Fehler, der die Partie noch zum Kippen brachte und Wadgassen den einzigen Sieg bescherte. Auf der anderen Seiten etwas Glück in der Partie Gerhard Scheuermann-Thomas Schütz, die beide Spieler, ihrem Stil gemäß, aggressiv angingen, doch nachdem beide Könige im Mittelspiel mehr oder weniger schauerlich gestanden hatten, verflachte die Stellung zu einem Endspiel, das trotz des Mehrbauern von Gerhard wohl Remis zu halten war. Letztlich gelang Thomas aber die erfolgreiche Verteidigung nicht. Endstand damit 6:2, „auch in der Höhe verdient“, wie man im Sportjargon so gern sagt. Mit Turm Illingen wird am 2. Spieltag ein wesentlich härterer Brocken auf uns zukommen, für Wadgassen steht das Duell gegen den vermeintlichen Meisterschaftsfavoriten Koblenz auf dem Programm.

Einige Eindrücke per Video:                              Geschehen an den vorderen Brettern (5,5 MB)

                                                                               Geschehen an den hinteren Brettern (3,4 MB)

                                                                               Analyse der Partie Fleckner - Gress (6,4 MB)


Mario
 

2. Spieltag - 15. November 2009

Illingen schlägt Schwarzenbach nach engem Kampf

So ist das im Sport: Du kämpfst stundenlang und stehst am Ende mit leeren Händen da. So geschehen in der 2. Runde der Oberliga Südwest in unserem Wettkampf gegen den SC Turm Illingen.

Dass es eng werden würde, war von vorneherein klar. Bei uns fehlten IM Gabriel Mateuta und Gerhard Scheuermann, so dass ich wieder ans 8. Brett rückte. Illingen konnte – im Gegensatz zum Auftaktmatch gegen Mutterstadt – in Bestbesetzung an die Bretter gehen.

Brett 1 Ardeleanu - Becking

Brett 2 Mayer - Tabatt

Brett 3 Callam - Klein

Nach einem schnellen Remis an Brett 3 – Hannes Callam gegen Joachim Klein – entwickelte sich ein zähes Ringen, das aber nach 3 Stunden, als ich mir zum ersten Mal einen Überblick verschaffte, bereits günstiger für Illingen aussah. Zwei besseren Positionen aus unserer Sicht (IM Ardeleanu-FM Becking und Becker-Helmut Biegler) standen drei kritische Stellungen gegenüber (Mayer-Tabatt, M. Biegler-Bürmann und Gress-Rückert), die restlichen beiden Partien (Schuh-Bureik und Siebert-Ziegler) bewertete ich als unklar. Auch wenn die Partie von Alexander Gress zu unseren Gunsten kippte (O-Ton Alex: „Die hab ich nicht gewonnen, die hat er verloren“) stehen am Ende nicht unverdient 2 Mannschaftspunkte für Illingen, da die beiden unklaren Partien an die Gastgeber gingen. In einer messerscharfen Stellung mit heterogenen Rochaden erwies sich der Angriff von Matthias Bureik als zu langsam, dennoch war mindestens ein 4:4 im Bereich des Möglichen – wenn ich meine eigene Partie zumindest nicht verloren hätte. Nachdem Viktor Siebert ein spekulatives Figurenopfer gebracht hatte, entwickelte sich die Partie in hochgradiger beiderseitiger Zeitnot (jeweils unter 5 Minuten für die letzten 14 Züge) zur reinen Lotterie. Hier von verdient oder unverdient zu sprechen verbietet sich (Rybka erklärt uns beide für komplette Idioten), jedenfalls blieb Viktor nach den unvermeidbaren groben Patzern auf beiden Seiten letztlich erfolgreich.

Nach der 3,5:4,5-Niederlage steht uns ein harter Kampf um den Klassenerhalt bevor. Das nächste Saarderby findet bereits am 29.11. gegen Saarbrücker Gambit statt.

Mario
 

3. Spieltag - 29. November 2009

Not gegen Elend - und am Ende 4:4

Das dritte Saarderby nacheinander für Caissa Schwarzenbach – und nach dem Sieg gegen Wadgassen-Differten und der Niederlage gegen Illingen steht am Ende gegen Gambit Saarbrücken „folgerichtig“ ein Unentschieden. Hätte uns jemand vor dem Match dieses Ergebnis angeboten, hätten wir sofort angenommen, aber nach dem Spielverlauf war sogar noch mehr drin.

Der Reihe nach. Die etwas beengten Platzverhältnisse in „Pino’s Bar und Bistro“ (vergleiche den Bericht und die Bilder vom Wadgassen-Spiel) zwingen uns zu einem Umzug. Im Pfarrheim St. Josef in Homburg-Jägersburg müssen wir zwar zunächst die „Überreste“ eines Kindergottesdienstes in Form eines Sitzkreises und etlicher Kerzen beiseite räumen, doch danach bietet der großzügige Raum beste Spielbedingungen. Noch einmal herzlich danken möchte ich dem Vorsitzenden der Schachfreunde aus Jägersburg, Günther Wentz, der uns bereitwillig den Raum zur Verfügung stellte und die Spieler während des Wettkampfs mit Getränken versorgte.


Viel Platz und beste Spielbedingungen in Jägersburg. Im Hintergrund die Schiedsrichterin des Wettkampfs, Marion Thewes

Auf unserer Seite fehlen mit den Internationalen Meistern Mateuta und Ardeleanu sowie mit Hannes Callam die Bretter 1, 2 und 4, was im Vorfeld für sehr gemischte Gefühle sorgt. Immerhin gelingt es, Gerhard Scheuermann zum Spielen zu überreden, obwohl er an diesem Wochenende einen Termin in Bonn hat und erst am Sonntagmorgen ins Saarland kommen kann. Als wir aber dann die Aufstellung der Gäste sehen, steigt unsere Stimmung merklich: Ohne IM Werner Beckemeyer, ohne die starken Franzosen Redwan Maatoug und Pascal Bentout, also ebenso stark ersatzgeschwächt wie wir. Schnell macht der Satz von „Not gegen Elend“ die Runde.

Wie zu erwarten entwickelt sich ein enges Match, in dem uns nach etwa 3 Stunden ausgerechnet Gerhard Scheuermann, wenn auch etwas glücklich, in Führung bringt. Damit endet für seinen Gegner Christoph Thiery eine bemerkenswerte Serie von zuletzt 12 Oberligapartien ohne Niederlage. Ausgleich durch Thomas Kurfess in einer verwickelten Partie gegen Dr. Stephan Busemann, in der ich eigentlich Stephan im Vorteil gesehen hatte. Es folgt ein Remis am Spitzenbrett zwischen Hendrik Tabatt und FM Georg Groß, das im Grunde jeder in Ordnung findet außer Hendrik, der noch lange nach dem Match darüber jammert, dass er schon wieder eine klar bessere Stellung „verblasen“ hat.


Saarlandmeister unter sich: Georg Groß (Saarlandmeister 1983 und 1986) gegen Hendrik Tabatt (Saarlandmeister 1998, 2006 und 2009)

Die vielleicht souveränste Leistung auf Schwarzenbacher Seite bietet Alexander Gress, der den starken Eric Etienne komplett überspielt. Auch wenn Alex nach der Partie durchaus einige Schönheitsfehler in seinem Spiel bemängelt, bleiben ein überzeugender Eindruck und eine überragende Saisonbilanz von 3 Punkten aus 3 Partien.


Mit 3 aus 3 Topscorer der Mannschaft: Alexander Gress in seiner Partie gegen Eric Etienne, dahinter die Partie Patrick Forthoffer-Jan Bürmann

Zwischenstand 2,5:1,5, langsam kommt Hoffnung auf, sogar mehr als nur einen Punkt in Schwarzenbach beziehungsweise Jägersburg zu behalten. Der Ausgleich durch den ehemaligen Saarlandmeister FM Harald Wagner gegen Jörg Becker war vielleicht nicht nötig – Jörg hatte einen Bauern eingestellt, dafür aber recht gute Kompensation erhalten –, ändert aber nichts an unserem Optimismus. Die erneute Führung kann ich selbst realisieren, nachdem mein Gegner Andreas Hauer ein zwar leicht nachteiliges, aber verteidigungsfähiges Endspiel in Zeitnot verdirbt. Leider kippt dann erneut eine Partie zu unseren Ungunsten. Nach starkem Spiel hat Dr. Matthias Bureik gegen André Oberhofer beste Gewinnchancen im Endspiel, erlaubt André dann aber ein Dauerschach mit Turm und Springer. In der letzten Partie des Wettkampfs gelingt Saarbrücken der Ausgleich: Unsere leisen Hoffnungen auf ein Remis durch Dr. Jan Bürmann in einem Turmendspiel mit Minusbauern gegen Patrick Forthoffer erfüllen sich nicht.

Was bleibt ist ein Punkt – und viele philosophische Gespräche der Schwarzenbacher beim gemeinsamen Abendessen über vergebene Chancen, Pech und das unsaubere Gepatze in der Oberliga. Am nächsten Spieltag steht ein Auswärtsspiel in Landau auf dem Spielplan, und damit die erneute Frage, welche Mannschaft wohl weniger schlecht spielen wird.

Mario
 

4. Spieltag - 13. Dezember 2009

Wie bereits im letzten Bericht angekündigt hier die Fortsetzung meiner „Fehlerparade“, diesmal anlässlich des Auswärtsspiels des SC Schwarzenbach beim Drittplazierten der letzten Saison der Oberliga Südwest, dem SK Landau. Dass es schwer werden würde war uns natürlich völlig klar, zumal mit Mateuta, Ardeleanu, Callam und Dr. Bürmann vier Stammkräfte fehlten.

Bereits die Anreise erwies sich als kompliziert. Durch den starken Schneefall am Sonntagmorgen kamen wir etwas später weg als geplant, aber unter normalen Umständen hätte dies keine weiteren Probleme mit sich gebracht. Leider kam eine größere Umleitung auf der B10 hinzu, durch die uns die Gelegenheit geboten wurde, die Schönheiten des verschneiten Pfälzer Waldes zu genießen. Solches ist besonders gut möglich, wenn man hinter einem Auto mit Ulmer Kennzeichen hertuckert, das konsequent eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 km/h einhält und bei jedem entgegenkommenden Wagen auf 60 km/h abbremst. Für alle, die es noch nicht wissen: In der OSW gilt eine Toleranzzeit von 30 Minuten bis zum Partieverlust, und spätestens als das Navi in Matthias Bureiks Auto eine Ankunftszeit von 11.25 Uhr vorausberechnete, wurde ich leicht nervös.

Aber irgendwann ist ja bekanntlich auch die längste Umleitung zu Ende, der Ulmer konnte überholt werden und das Navi pendelte sich auf eine erträgliche Verspätung von ca. 5 Minuten ein. So weit, so gut. Wir erreichten also das Spiellokal kurz nach 11 – und erfuhren vom Schiedsrichter als erstes, dass wir wegen verspäteter Abgabe der Mannschaftsaufstellung eine Zeitstrafe von 20 Minuten pro Nase aufgebrummt bekommen hatten. Dass unsere Chancen gegen die in Bestbesetzung aufgelaufenen Landauer dadurch nicht wirklich stiegen, versteht sich von selbst.

Da stands noch 0:0. Der Schwarzenbacher Vorsitzende Edgar Velten vor dem Match

 

Blick in den Turnierraum

Aber zunächst lief alles noch ganz passabel. Mein Gegner Björn Kopp konfrontierte mich mit einer Nebenvariante, die ich trotz 20jähriger Erfahrung mit der Eröffnung noch nie gesehen geschweige denn auf dem Brett gehabt hatte. So stellt man sich den 3. Advent vor: Man sitzt mit 20 Minuten weniger auf der Uhr in Landau am Brett, und der Gegner spielt a Tempo ein völlig unbekanntes System, das in einem Qualitätsopfer kulminiert und ihm einen gedeckten Freibauern auf der 7. Reihe (!!) einbringt. Das einzig Gute daran war, dass ich sowieso keine andere Möglichkeit mehr hatte, als alles zu fressen und es mir zeigen zu lassen, nach dem Motto: „Wenn er mich jetzt mattsetzt, ist es halt dumm gelaufen.“ Aber als mein Gegner dann an seinem 13. Zug zum ersten Mal nachdachte – und zwar gleich 36 Minuten – dämmerte es sogar meinem noch leicht verschlafenen Hirn, dass es wohl zumindest nicht forciert Matt in 7 werden würde. Immerhin, man muss auch mit Kleinigkeiten zufrieden sein. Dennoch blieb die Stellung alles andere als leicht, und prompt schaffte ich es, im 14. Zug die Partie einzustellen. Björn hätte nur einen nicht allzu schwer zu sehenden Turmzug finden müssen, und meine Position wäre wohl zusammengebrochen. Doch stattdessen zog er eben jenen Turm auf ein anderes Feld, ich konnte endlich daran gehen, meinen schlummernden Damenflügel zu entwickeln, und als ich es dann sogar geschafft hatte, den Bedenkzeitrückstand aufzuholen, bot ich Remis an – vermutlich mein bester Zug an diesem Tag. Der Zeitpunkt erwies sich als goldrichtig – Björn war es mittlerweile klar geworden, was für eine Chance er ausgelassen hatte. Er dachte noch fast 20 Minuten kopfschüttelnd über die Stellung nach, bevor er, mittlerweile mit nur noch 24 Minuten für die restlichen 25 Züge, das Remis akzeptierte.

Fast zeitgleich endete Brett 8 mit dem gleichen Ergebnis. Dr. Stephan Busemann musste als Schwarzer ein etwas schlechteres Endspiel mit Türmen und ungleichfarbigen Läufern gegen Johannes Vogel verteidigen. Die Chancen lagen deutlich auf Seiten seines Gegners, aber vielleicht gab es nie eine wirkliche Gewinnstellung, wie auch Johannes in der Analyse konstatierte: „Schon blöd, wenn man alles sieht, aber einfach nichts geht.“

„Nichts geht“. Analyse der Partie Vogel-Busemann

Die Entscheidung des Wettkampfs fiel nach etwa 4 Stunden, als fast zeitgleich die Bretter 3 und 4 verloren gingen. Während Jörg Becker schon seit längerer Zeit eine verdächtige Stellung gegen Jürgen Möldner mit sich herumschleppte, brannte bei der Partie zwischen Gerhard Scheuermann und FM Rolf Bernhardt das Brett: Heterogene Rochaden, beide Seiten werfen die Bauern nach vorne, also eigentlich genau Gerhards Spiel. Aber eine solche Partieanlage bedingt eben höchstes Risiko: Oft geht es gut, in Landau diesmal nicht. Letztlich entschied die schwache Grundreihe zu Gunsten des routinierten FIDE-Meisters.

Zu diesem Zeitpunkt war auch klar, dass Alexander Gress seine imposante Siegesserie nicht würde fortsetzen können. Während des Mittelspiels hatte er für einen Minusbauern glänzende Kompensation, doch trotz höchster Zeitnot gelang es Matthias Lang, mit seinen Schwerfiguren entscheidend in Alex’ Stellung einzudringen, was Matt oder Damenverlust zur Folge hatte.

 

Da war wohl mehr drin: Analyse der Partie Gress-Lang

1:4 bei noch 3 laufenden Partien. Am klarsten erschien Brett 1, wo Hendrik Tabatt beim Übergang ins Endspiel einen Bauern seines Gegners FM Torsten Lang kassieren konnte und letztlich mit Springer gegen Läufer souverän gewann. Ein schöner Sieg Hendriks, auch wenn an seiner Aussage, er verteile seine Siege ungeschickt auf die Wettkämpfe, ein Körnchen Wahrheit steckt. Gegen Illingen oder Gambit Saarbrücken wäre ein voller Punkt des amtierenden Saarlandmeisters deutlich wertvoller gewesen als beim Stand von 1:4.

Zumal Brett 7 nach der Zeitkontrolle keine realistischen Gewinnchancen mehr bot. Ulrich Wolf hatte gewohnt kreativ gegen Gerhard Silber angegriffen und für einen Bauern die Qualität gewonnen, doch zu einem Sieg reichte es nicht. Ulles forcierte Abwicklung sicherte ihm ein problemloses Dauerschach, aber an einen vollen Punkt war angesichts einer eigenen schwachen Königsstellung nicht zu denken.

Blieb noch die Partie von Dr. Matthias Bureik, die symptomatisch für Matthias’ bisherigen Saisonverlauf werden sollte. Aktives Spiel, deutlicher Zeitvorteil gegen Yannick Leuranguer, der die letzten Züge vor der Zeitkontrolle im Bereich von ca. 20 Sekunden absolvieren musste. Dramatik, eine Zuschauertraube ums Brett, auf dem Yannick die letzten Züge herunterhackte. Als das Blättchen fiel, musste zunächst rekonstruiert werden, ob die 40 Züge absolviert worden waren. Als dies festgestellt wurde, konnte die Partie wieder aufgenommen werden – mittlerweile mit einem Minusbauern aus Sicht von Matthias. Es folgte zunächst ein sicher haltbares Endspiel mit Turm, Läufer und Bauer gegen Turm, Springer und 2 Bauern, das schließlich in ein ebenso haltbares Endspiel Turm gegen Turm und Springer einmündete – in welchem Matthias dann den Turm einstellte.

Ruhe vor dem Sturm. Matthias Bureik und Yannick Leuranguer vor ihrer dramatischen Partie

Bedauerliches Ende eines stellenweise heißen Kampfes bei frostigen Temperaturen, den Landau sicher etwas zu hoch, aber insgesamt völlig verdient, mit 5,5:2,5 gewinnt.

Mario
 

5. Spieltag - 24. Januar 2010

„Halbgutes Ergebnis“ beim Abstiegskrimi

Wenn der Vorletzte der Tabelle beim Drittletzten antritt, bezeichnet man das im Sport gerne als „Abstiegs-Endspiel“. In Sportarten, die im Fernsehen präsenter sind als Schach (also: nahezu alle), werden gern Floskeln vom „Abstiegsgespenst“ bemüht. Ganz so ernst geht es in der Oberliga Südwest nicht zu, an einem eventuellen Abstieg hängen ja schließlich auch einige Millionen weniger als z.B. bei einem Abstieg aus der Fußballbundesliga. Aber natürlich versuchen dennoch alle Mannschaften, den Klassenerhalt zu sichern – und das vielbeschworene Abstiegsgespenst damit zu bannen.

Genug der Vorrede, hinein in die 5. Runde der genannten Oberliga, in den Wettkampf Caissa Schwarzenbach gegen SF Heidesheim. Im Vorjahr hatten wir auswärts eine ebenso verdiente wie schmerzhafte 2,5:5,5-Niederlage einstecken müssen, doch diesmal schienen die Vorzeichen günstiger. Zwar mussten wir auf Gerhard Scheuermann verzichten, doch bei unseren Gästen fehlten gleich zwei Stammkräfte, darunter mit Evgenij Nesterov auch der Spitzenspieler.

Als erstes endete die Partie am ersten Brett. Als IM Alin Ardeleanu gegen Dirk Loef vor der Entscheidung stand, ein sicheres Remis oder unübersehbare Komplikationen anzustreben, wählte er die Sicherheitsvariante und die Punkteteilung.

 

Zu diesem Zeitpunkt stand Alexander Gress, der mit der Eröffnungsbehandlung seines Gegners Holger Krannich sichtlich nicht zu Recht gekommen war, schon sehr kritisch und musste bald darauf ein hoffnungsloses Endspiel aufgeben. Im Gegenzug gelang mir der Ausgleich. Thomas Hettergott hatte im Mittelspiel kreativ einen Bauern geopfert und dafür meine Figuren in etwas labile Positionen gelockt. Im entscheidenden Moment wählte er aber statt der korrekten Abwicklung, die zu einem Endspiel Turm, Läufer und 7 Bauern gegen 2 Türme und 5 Bauern geführt hätte, eine schwächere Fortsetzung, die mir eine gewinnbringende Mehrfigur einbrachte.

Etwas mehr versprochen hatten wir uns von der Partie Hendrik Tabatt – Andreas Haasler, in der Hendrik ein Leichtfigurenendspiel mit Mehrbauer erhielt, es aber nicht zum Sieg führen konnte und sich dafür im Nachhinein selbst mit einigen Kraftausdrücken bedachte.

2:2, alles offen.

Während die bereits beendeten Partien im Nebenraum analysiert werden, geht im Turnierraum das Match in seine entscheidende Phase. 5 Stunden 40 Minuten sind gespielt, der verbliebenen Bedenkzeit kommt eine immer größere Rolle zu. Zu diesem Zeitpunkt glaube ich nicht mehr an einen positiven Ausgang des Wettkampfs. Hannes Callam sieht sich nach unglücklicher Behandlung eines Turmendspiels mit einem bärenstarken Freibauern seines Gegners Christian Lantzsch konfrontiert. Dr. Matthias Bureik hat gegen Steffen Enzmann ein Paar verbundene Freibauern auf die Reise geschickt, aber sein König ist völlig schutzlos dem Angriff von drei gegnerischen Leichtfiguren ausgesetzt. Jörg Becker und Dr. Jan Bürmann kämpfen jeweils in Leichtfigurenendspielen mit Minusbauer gegen ihre Gegner Christoph Klein und Helmut Kalepky ums Remis. Wir schätzen Hannes’ Stellung als verloren ein, bei Jörg und Jan sollte allenfalls Remis herausspringen. Alles hängt an Matthias’ komplizierter Stellung. Wie mir Matthias später sagen wird, hätte sein Gegner durch ein Opfer einer Leichtfigur gegen die beiden Freibauern eine Stellung herbeiführen können, die objektiv wohl Remis gewesen wäre. Aber was heißt „objektiv“ in einem entscheidenden Oberligaspiel beim Stande von 2:2, wenn die Sekunden herunterticken?

Dann ein erster kleiner Hoffnungsschimmer: Remis in der Partie Klein-Becker. 2,5:2,5, aber was hilft das, wenn Matthias nicht gewinnt? Aber Matthias behält die Nerven. Nach 4 sehr unglücklichen Partien platzt der Knoten bei ihm genau im richtigen Moment. Auch wenn unsere Führung nur wenige Augenblicke Bestand hat – Hannes muss sein Endspiel trotz aller Bemühungen aufgeben – sollte doch nun wenigstens ein 4:4 möglich sein. Wir sind uns schon seit geraumer Zeit einig, dass Jan durch Opfer seiner beiden Leichtfiguren gegen die gegnerischen Bauern ein Endspiel König plus 2 Springer gegen König herbeiführen kann, in dem die stärkere Seite bekanntlich nicht mattsetzen kann, wenn der Verteidiger korrekt spielt. Also müsste Jan doch nur die Bauern vernichten und dann auf Remis reklamieren. Vermutlich würde der Schiedsrichter noch ein paar Züge weiterspielen lassen, um zu sehen, dass Jan sich richtig verteidigt, und dann auf Punkteteilung erkennen. Und so kommt es auch: Jan opfert seine Figuren und – reklamiert nicht! Wir können es nicht fassen! Jans Bedenkzeit ist mittlerweile unter einer Minute, und wenn sie abgelaufen ist, bedeutet dies Partieverlust. Als nur noch Sekunden bleiben, erlöst uns Helmut Kalepky, indem er Jans König in der Ecke patt setzt.

 

Dramatisches Ende eines dramatischen Kampfs, in dem die Gäste aus Heidesheim dem Sieg etwas näher waren als wir. Wegen einer starken kämpferischen Leistung ist der Punkt für Caissa Schwarzenbach dennoch nicht unverdient. Das 4:4 bringt beide Mannschaften im Abstiegskampf nicht entscheidend weiter, lässt aber beiden noch alle Chancen. Kein sehr gutes Ergebnis also für Heidesheim und Schwarzenbach, aber immerhin ein „halbgutes“, wie Helmut Kalepky treffend mit Hinblick auf seine eigene Partie meinte. In der kommenden Runde steht für uns eine schwere Auswärtsaufgabe in Ludwigshafen an.

Mario
 

6. Spieltag - 7. Februar 2010

Hart umkämpftes 4:4 am „Spieltag der Überraschungen“

Ohne 3 Stammspieler (IM Mateuta, Callam und Dr. Bureik), und daher nur gedämpft optimistisch, traten wir am 6. Spieltag die Fahrt nach Ludwigshafen an. Auch wenn wir in der Vergangenheit meist gut gegen den SKL ausgesehen hatten (gibt es im Schach so etwas wie „Angstgegner“?), sprachen die Wertungszahlen an den meisten Brettern für die Gastgeber.

 

Jörg Becker und Alexander Gress vor dem Wettkampf im Vorraum des schönen Ludwigshafener Schachheims

Zunächst liefen die Partien jedoch gut für uns. Alex Gress überzeugte seinen deutlich höher eingeschätzten Gegner FM Jochen Bruch schon bald nach der Eröffnungsphase, dass es klüger wäre, sein Remisangebot anzunehmen. Dann brachte uns Hendrik Tabatt gegen Andreas Lambert in einer kuriosen Partie in Führung. Sein Gegner hatte die Eröffnung durch einen Fingerfehler verpatzt, Hendrik opferte eine Figur, hatte dabei aber eine starke Riposte seines Gegners übersehen – die allerdings auch Lambert nicht sah, so dass die Kombination aufging.

 

Beginn einer kuriosen Partie: Lambert-Tabatt

Ausgleich für Ludwigshafen durch Dr. Andreas Gypser, nachdem Dr. Jan Bürmann in guter Stellung durch ein Fesselungsmotiv eine Figur verlor.

 

Bretter 5 (Bürmann-Gypser) und 6 (Bruch-Gress)

Erneute Führung für Schwarzenbach durch Gerhard Scheuermann, dessen Gegner Roland Simon die Eröffnung kreativ, aber wohl nicht ganz korrekt behandelt und in der Folge einen Bauern einbüßt hatte. Erneuter Ausgleich durch Andreas Erdmann, der gegen Jörg Becker bereits nach der Eröffnung eine gute Stellung erreicht hatte und diese nicht mehr aus der Hand gab. Zu diesem Zeitpunkt stellte auch IM Alin Ardeleanu am Spitzenbrett seine Gewinnversuche gegen Stephan Johann ein und fügte sich in eine Punktteilung.

Das 4:3 gelang mir selbst. Nach der Eröffnung hatte ich eine bequeme Stellung mit Raumvorteil erreicht, so dass sich mein Gegner Hermann Krieger veranlasst sah, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit durch einen riskanten Bauernzug am Königsflügel Gegenspiel einzuleiten. Dieses Manöver schwächte allerdings die eigene Königsstellung bedenklich, was mir in der Folge verschiedene taktische Chancen eröffnete – die ich alle konsequent übersah (O-Ton Hendrik Tabatt: „Wir hätten dich erwürgt, wenn du das nicht gewonnen hättest!“ – Gott sei Dank war mir während der Partie die drohende Lebensgefahr nicht bewusst…). In beiderseitiger Zeitnot gelang mir dann ein ansprechendes Läufer-Scheinopfer, das die Partie sofort beendete.

 

37.Lxf5! 1:0

Den Schlusspunkt zum leistungsgerechten Unentschieden verbuchte Karl-Heinz Esswein, der ein Turmendspiel mit Mehrbauern gegen Ulrich Wolf zum Sieg führen konnte.

Mit diesem 4:4 traten wir zufrieden die Heinreise an. Diese positive Stimmung hielt genau so lange an, bis wir die Ergebnisse der übrigen Wettkämpfe erfuhren: Mit Frankenthal (4,5:3,5 gegen Mutterstadt) und Gambit Saarbrücken (6:2 gegen den – mittlerweile ehemaligen – Aufstiegsfavoriten Koblenz) siegten zwei Mannschaften aus dem Tabellenkeller. Als Folge fielen wir trotz des Unentschieden in Ludwigshafen vom 6. auf den 8. Tabellenplatz zurück. Der Abstiegskampf geht weiter.

Mario





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