
Saarländische
Einzelmeisterschaft 2009
1. Spieltag - 03. April 2009
Dann also mein erster
Bericht aus der Auftaktrunde. Ich werde mich weitgehend auf die beiden
Meisterturniere beschränken, weil ich selbst und etliche meiner
Vereinskameraden aus Schwarzenbach dort spielen und mich naturgemäß am meisten
dafür interessiere.
Spielort ist die
Mühlbachhalle in Schiffweiler, die großzügigen Raum für die Spieler und
Zuschauer bietet. Als besonders angenehm empfinde ich die Möglichkeit, sich an
einer Theke im Turniersaal selbst mit Getränken und Futter zu versorgen. So
entfällt das sonst übliche Gerenne treppauf und treppab, um während der Partie
Nachschub beizuschaffen. Was mich etwas stört ist die Tatsache, dass direkt
neben meinem Brett eine Tür der Halle geöffnet wurde, um für Frischluft zu
sorgen und den Rauchern die Gelegenheit zu geben, ihrer Sucht zu frönen. Zu
Beginn meiner Partie scheint die Sonne so unglücklich auf mein Brett, dass ich
die Augen mit den Händen abschirmen muss, um überhaupt etwas zu sehen. Außerdem
wird es im Laufe der Zeit empfindlich kühl, und irgendwann entschließt sich ein
genervt wirkender Hauke Ratayczak, die beiden Flügel der Tür einfach zu
schließen – vergeblich natürlich, denn kurz darauf sind sie wieder offen.
Die Teilnehmerzahl ist
deutlich rückläufig. Insgesamt nehmen nur 206 Schachfreunde teil – ich habe es
nicht überprüft, aber es könnte Minusrekord seit langer Zeit sein. Was die
Qualität angeht, so kann man natürlich über das Fehlen diverser Spitzenspieler
jammern, aber das erscheint mir müßig. Der Trend, dass sich viele der besten
Spieler von der SEM zurückziehen, dauert seit etlichen Jahren an. Ob es eine
Möglichkeit gibt, ihn umzukehren, muss man diskutieren, aber dieser Bericht ist
sicher nicht der Ort dafür.
Die SEM beginnt mit kurzen
Ansprachen des Veranstalters sowie der Turnierleitung. Nichts
Außergewöhnliches, wie jede SEM eben. Etwa um 18.20 werden die Schachhungrigen
auf die Figuren losgelassen.
Hätte man mich vor dem
Turnier nach den Favoriten auf den Titel des Saarlandmeisters gefragt, hätte
ich eindeutig auf IM Herbert Bastian und Hendrik Tabatt getippt und etlichen
anderen Spieler eine Außenseiterchance eingeräumt. Aber das war VOR dem
Turnier, schon die Startrunde wirft alle Prognosen durcheinander.
Titelverteidiger Ronny Müller fängt sich in überlegener Stellung von seinem
Gegner Dominik Faas eine Springergabel ein, verliert einen Turm und kurz darauf
auch die Partie. Herbert Bastian gerät mit Weiß gegen Jörg Klein in eine
äußerst schwierige Stellung mit 2 Minusbauern, die er trotz hartnäckiger
Verteidigung nicht retten kann. Der an 4 gesetzte FM Hans-Georg Müller schafft
es, in hochgradiger Zeitnot gegen Stefan Busche die letzten Züge vor der
Zeitkontrolle herunterzublitzen. Mir scheint seine Stellung danach eigentlich
wieder brauchbar, aber vielleicht habe ich mich nicht genug in sie vertieft,
jedenfalls steht am Ende auch für Hans-Georg eine Null in der Tabelle. Und auch Jean-Marc Mayer (Platz 5 der
Setzliste) kommt gegen Viktor Siebert mit den weißen Steinen nicht über ein
Remis hinaus. Nach Plan läuft es nur für Hendrik Tabatt sowie den
Saarlandmeister des Jahres 2000, Jens Barmbold, die volle Punkte einstreichen.
Damit zum MBT und zu meiner
eigenen Partie. Ich erhalte gegen Jean-Claude Thiel eine vielleicht objektiv
nicht einmal bessere Stellung, die ich aber recht gut kenne und in der ich mich
wohl fühle. Dennoch ist alles lange unklar, zumal Jean-Claude rasend schnell
zieht, was dazu führt, dass ich nach 20 Zügen schon eine Dreiviertelstunde mehr
auf der Uhr habe als er. Entscheidend wird ein Manöver, durch das ich am
Damenflügel einen Bauern erobern kann. Da es mir anschließend gelingt, in ein
Endspiel abzuwickeln, sorgt der Mehrbauer schnell für die Entscheidung. Weniger
gut läuft es für meine an Position 2 und 3 gesetzten Vereinskameraden Alexander
Gress und Ulrich Wolf. Besonders Alex’ Partie sah zeitweilig deutlich besser
für ihn aus, aber irgendwie landete er in einem verlorenen Bauernendspiel.
Ulrichs beschrieb seine Partie knapp mit „Einmal den falschen Plan gewählt und
schon sind 2 Bauern weg.“ Und damit leider auch die Partie.
Die vielen anderen kleinen
und großen Dramen des Turniersaals bekomme ich natürlich nicht mit. Fazit nach
der ersten Runde: Ich freue mich, nach zweijähriger Pause mal wieder eine SEM
mitzuspielen, Leute zu treffen, die ich sonst das ganze Jahr nicht sehe und in
netter Atmosphäre ein bisschen Schach zu spielen. Trotz des schönen Wetters,
das so gar nicht zu stundenlangen Gefechten in der Halle einlädt, könnte es
also eine schöne Woche werden. In diesem Sinne – bis zur 2. Runde.
Mario
2. Spieltag - 04. April 2009
Im MAT läuft alles für
Hendrik. Natürlich kann man nach 2 Runden noch nichts Definitives sagen, aber
von den Favoriten hat nur noch er eine weiße Weste, nachdem nun auch Jens
Barmbold (gegen Dominik Faas) eine Niederlage kassiert hat. Dominik ist bislang
auf jeden Fall der Überraschungsspieler dieses an Überraschungen reichen MAT.
Unterdessen zeigen sich
Herbert Bastian und Ronny Müller gut erholt und fahren die ersten vollen Punkte
ein. Das Familienduell Hans-Georg gegen Denis Müller endet in einem schnellen
Remis und der bedauernden Feststellung von Hans-Georg, er würde nahezu in jedem
Turnier gegen seinen Sohn gelost.
Im MBT geht es an den
Spitzenbrettern friedlich zu. Ich selbst fliege gegen Wolfgang Kreuscher
schnell aus der Theorie und fühle mich einige Züge lang nicht besonders wohl,
aber irgendwann stabilisiert sich die Stellung. Als ich dann endlich nach 18
Zügen auch mal zur Rochade komme, schiebe ich schnell noch ein Remisangebot
hinterher, das Wolfgang nach kurzem Nachdenken annimmt. Das Turnier entscheidet
sich schließlich noch nicht in der 2. Runde. Ganz anders sieht das übrigens der
kiebitzende Eduard Radtke, der zuvor etwas glücklich eine wilde Partie, in der
zeitweise beide Damen hingen, gewonnen hatte. Ein nicht ausgekämpftes Remis
nach nur 18 Zügen – nein, so was gäbs bei ihm nicht, da würde er sich schämen.
Na ja, solche Skrupel plagten mich nicht. Übrigens auch nicht Wolfgang Bender
und Thomas Deutsch, die an Brett 2 noch deutlich vor uns Frieden geschlossen
hatten.
Zuletzt noch einmal die
unvermeidliche Tür (siehe meinen Bericht vom 1. Tag). Wenn sie geöffnet ist
zieht nach wie vor der Zigarettenrauch in den Turniersaal (worüber sich Jens
Barmbold lautstark beschwerte), außerdem sitzt man zumindest an Brett 1 des MBT
im Durchzug. Als ich von einem kurzen Spaziergang durch den Turniersaal an mein
Brett zurückkam, hatte mir der Wind Partieformular samt Kugelschreiber
weggeweht (glücklicherweise fand ich beides wieder). Und irgendwann wurde es
wohl auch Wolfgang zu viel, jedenfalls schlug er vor, kurzerhand mit dem Brett
umzuziehen an einen Tisch, wo die Partie schon beendet war. Ich war sofort
einverstanden, und so kam es zu einem Platztausch während der Partie – auch
nicht alltäglich. Durch mein Remis habe ich es jetzt aber immerhin geschafft,
vom ominösen Brett 1 wegzukommen. Morgen sollte es also ohne Durch- und Umzüge
gehen.
Mario
3. Spieltag - 05. April 2009
Schach ist ein Glücksspiel –
heute hab ichs mal wieder am eigenen Leib erlebt. Meine Stellung war tot – tot,
toter, am totesten. Verlorenes Mittelspiel, verlorenes Endspiel, einfach eine
Katastrophe. Und was steht am Ende? Ein Remis. Unfassbar!
Aber der Reihe nach. Stephan
Busemann erfreut die interessierte Schachöffentlichkeit mit einem Poloshirt,
auf dem eine Stellung aus seiner Fernschachpraxis abgedruckt ist. Nicht
irgendeine natürlich, sondern seine Lieblingsstellung aus der XII. Fernschach-Olympiade,
die er 2001 mit der deutschen Nationalmannschaft gewinnen konnte. So was macht
schon Eindruck! Vielleicht auch auf seinen Gegner Jörg Vogel, jedenfalls endet
ihre Partie remis.
Remis auch am Spitzenbrett
zwischen Hendrik Tabatt und Dominik Faas, der somit weiterhin die große
Überraschung des MAT bleibt. Hendrik war voll des Lobes über das Spiel seines
Gegners und gab zu Protokoll, Dominik habe sogar Gewinnchancen gehabt.
In der Tabelle rückt die
Spitze enger zusammen: Dominik Faas, Thomas Becker und Hendrik Tabatt mit
jeweils 2,5 Punkten, dahinter eine ganze Gruppe mit 2 Punkten, zu der auch
Ronny Müller und Herbert Bastian gehören.
In meinem MBT überzeugt
bislang Eduard Radtke auf ganzer Linie. Bei seinem taktisch betonten Spiel ist
ein kleines Quäntchen Glück immer von Nöten, aber angesichts von 3 Punkten aus
3 Runden kann man nur sagen: Alles richtig gemacht, Herr Radtke! Heute gelingt
ihm ein schöner Angriffssieg gegen Jörg Simons, gegen den er unter Figurenopfer
zum Erfolg kommt. An Brett 2 wollte ich mit den weißen Steinen gegen Burkhard
Braun natürlich auf Sieg spielen, aber in Wahrheit kam alles ganz anders. Indem
ich die Eröffnung furchtbar in den Sand setzte, servierte ich meinem taktisch
gefährlichen Gegner praktisch auf dem Silbertablett einen Mattangriff. Kurz vor
der Aufgabe fand ich noch einen letzten Trick, mit dem ich die Stellung
immerhin zweischneidig für beide Seiten gestalten konnte. In der Folge begann
mir die Stellung wieder einigermaßen zu gefallen, und wie es dann so ist –
prompt kommt der nächste Fehler, diesmal in Gestalt eines übersehenen
Überlastungsmotivs. Nachdem ich einen Großteil meiner verbliebenen 10 Minuten
damit verbracht hatte, mich im Geist unflätig für meine Doofheit zu
beschimpfen, machte ich wiederum den einzigen Zug, der nicht sofort verlor. Und
dann das Wunder: Burkhard wählte unter etlichen vielversprechenden
Möglichkeiten ausgerechnet eine, die mir unter Turmopfer erlaubte, ein
Dauerschach zu erzwingen.

Ziegler, Mario – Braun, Burkhard
SEM
Schiffweiler, MBT (3), 05.04.2009
31.Le5?? (Ich wollte den Be5 angesichts der Möglichkeit
31…Lxf3 32.gxf3 Txd4 noch einmal decken, aber erstens scheitert dies taktisch
und zweitens war es nicht einmal notwendig. Allerdings sind die Varianten nach
31…Lxf3 32.gxf3 Txd4 33.c5! Kf7 [33…Txd1 34.Txd1 Txd1+ 35.Dxd1 und die weiße
Dame dringt nach d8 ein] 34.Txd4 Txd4 35.h5! selbst bei ausreichender
Bedenkzeit kaum zu überblicken, in Zeitnot gar nicht – jedenfalls nicht für
mich.) 31…Sxe5 32.dxe5 Td3 33.Txd3 (33.c5
war noch ein Versuch, der allerdings nicht reicht. Nun ist 33…Txb3?! 34.Txd8+
Kf7 35.axb3 vielleicht noch nicht klar, aber das einfache 33…Kf7 gewinnt. Noch
spektakulärer ist allerdings 33…Td2!.) 33…Txd3
34.Db4 (Deckt immerhin den Turm und das potentielle Mattfeld d2, aber
selbstverständlich war mir klar, dass die schwarzen Schwerfiguren meinem
ungeschützten König dennoch in kürzester Zeit das Lebenslicht ausblasen würden,
vom schwarzen Mehrbauer gar nicht zu reden.) 34…Lxf3 35.gxf3 Txf3+ (Rüdiger Steinbergs Vorschlag 35…Dg3! war am
einfachsten, aber der Partiezug reicht auch zum Gewinn.) 36.Ke2 Dg2+ (36…Dg4 [Thomas Schütz] ist eine gute Alternative. Weiß
muss dann 37.Kd2 ziehen und beten.) 37.Kd1
Td3+ 38.Kc1 Dxa2?? (Gewonnen hätte z.B. 38…Df2 39.Td1 De3+ 40.Kc2 De2+ und
alle Schwerfiguren werden getauscht, wonach das Bauernendspiel einfach gewonnen
ist.) 39.Tg1+ Kf7 40.Tg7+! ½-½ (40…Kxg7
41.De7+ Kg6 42.De8+)
Als ich dieses Opfer, das
gleichzeitig meinen 40. Zug bedeutete, à Tempo gespielt und Remis angeboten
hatte, saß mein Gegner einige Minuten wie vom Donner gerührt, bevor er in die
unvermeidliche Punkteteilung einwilligte. Ganz ehrlich: In diesem Moment tat
mir Burkhard trotz aller eigenen Freude leid. Gerade in den letzten Monaten hatte
ich selbst einige Partien, in denen mir ein sicher geglaubter Sieg oder ein
Remis im letzten Moment noch durch die Lappen gegangen war, und es fühlt sich
einfach besch….eiden an.
Mario
4. Spieltag - 06. April 2009
Zuerst eine kleine Korrektur
meines Berichts von gestern. Es handelte sich bei Stephan Busemanns
„Poloshirt-Diagramm“ nicht um die XII., sondern um die XIV.
Fernschach-Olympiade, die er 2007 mit der deutschen Mannschaft gewonnen hatte.
Hätte ich – bei genauerem Lesen – auch durchaus dem Shirt selbst entnehmen
können…
Mit der heutigen 4. Runde
beginnt das zweite Turnierdrittel, das mit der Niederlage von Dominik Faas
gegen Stefan Busche die Tabellenspitze kräftig durcheinander wirbelt. Dominik
hatte sich ohnehin vor der Runde sehr zurückhaltend geäußert: „Jeder Tag, wo
ich da oben mitspiele, ist toll.“ Und mit 2,5 Punkten und einer hervorragenden
Buchholzwertung ist dies natürlich nach wie vor der Fall. Ganz vorne aber zieht
Hendrik Tabatt weiter seine Kreise, der im Spitzenduell der Runde Thomas Becker
schlagen kann – nach hartem Kampf und mit etwas Glück, denn zwischendurch sah
ich Thomas nach einem Figurenopfer mit einem Rudel Bauern eher im Vorteil:
Tabatt,Hendrik – Becker,Thomas
SEM
Schiffweiler, MAT (4), 06.04.2009
23...Lxe3 24.fxe3 Dxg3+
25.Lg2 Dxe3+ 26.Sf2 Txd4
Der morgige Tag bringt mit
der Partie Bastian-Tabatt den ersten großen Showdown des Turniers.
Im MBT wird an den vorderen
Brettern nach wie vor viel remisiert. Bender-Radtke an Brett 1,
Grewenig-Dorozala an 2, beides Remis. Gewinner der Runde ist Burkhard Braun,
der mit Schwarz einen vollen Punkt gegen Hauke Ratayczak einfährt und sich nach
der Partie sehr zufrieden mit seinem Spiel zeigt. Er weist jetzt ebenso wie
Eduard Radtke 3,5 Punkte auf und wird morgen gegen ihn antreten.
In meiner Partie gegen
meinen Vereinskameraden Jörg Simons passiert lange Zeit nichts – das heißt,
beide Seiten lavieren, Figuren werden hin und her geschoben, man kämpft um
minimale Vorteile. Um den 25. Zug herum geht es dann zur Sache: Nach dem
Damentausch scheint Jörg durch die Kontrolle zweier schwacher Felder in meinem
Lager in Vorteil zu kommen, aber es gelingt mir, diese Punkte doch noch zu
verteidigen. Langsam beginnt die Stellung zu kippen. Man kann Jörg geradezu
ansehen, dass er mit dem Verlauf der Dinge unzufrieden ist. Remisangebot im 30.
Zug, aber zu diesem Zeitpunkt sehe ich mich bereits im Vorteil und lehne ab. Im
32. Zug scheine ich einen Bauern zu gewinnen, aber die ganze Sache entpuppt
sich als wesentlich schwieriger als gedacht. Plötzlich steht mein König
schlecht im Zentrum, Jörg schiebt entschlossen seine Bauern in der Mitte nach
vorne. Im 34. Zug dann das zweite Remisangebot. Ein gutes Timing, denn mittlerweile
scheint mir die ganze Stellung wesentlich weniger klar als zuvor. Ich denke 5
Minuten lang über die Fortsetzungen nach – mittlerweile bleiben nur noch 7
Minuten für die letzten Züge. Dann beschließe ich, nichts zu überziehen und die
Punkteteilung zu akzeptieren. Jörg ist sehr erleichtert und spricht von einem
„Bluff“ seinerseits, aber ich konnte in der Berechnung nichts Klares erkennen,
und auch die kurze Analyse mit Hilfe des Computers ergab kein deutliches Bild:

Simons,Jörg – Ziegler,Mario
SEM
Schiffweiler, MBT (4), 06.04.2009
Dies ist die
Schlussstellung. Jörgs letzter Zug war 34.c4, was das zweimalige Nehmen auf d5
nebst Gabel auf e6 droht. Diese Drohung darf Schwarz keinesfalls ignorieren: 34...Sf5?
35.cxd5 cxd5 36.Sxd5±.
In Frage kommen folgende
Fortsetzungen:
a) 34...dxc4
35.d5 Txf4 (einziger Zug; 35...cxd5? 36.Sxd5±) 36.dxe6+ Kxe6 37.gxf4 unklar
b) 34...g5
35.Sxd5 (35.Sxh5? Th8 36.Sf6+ Lxf6
37.exf6 Sf3 nebst ...Txf6 und schwarzem Vorteil) 35...cxd5 36.cxd5 Sf3 37.dxe6+
Kxe6 38.d5+ Kf5 39.Lxb6 unklar
c) Die kritische Fortsetzung ist wohl 34…Tgf8 35.cxd5 cxd5 (35...Txf4?! wurde nach der Partie
von Jörg angeregt, aber das Opfer schlägt nicht durch: 36.gxf4 Txf4 37.Lxh4 Lxh4 38.dxc6+ bxc6 39.Tg2 g5 40.Kc2 ist
unklar und, wenn der weiße König erst einmal mitspielt, tendenziell vielleicht
sogar besser für Weiß.) 36.Le3 Sf5 37.Sxg6 Tg8 38.Sxe7 Kxe7 39.Lf2
Sxg3 40.Lxg3 Txg3 41.Th2. Das kann man mit Schwarz sicher auf Gewinn
spielen. Ob es gewonnen ist, ist eine ganz andere Frage.
(Photo: Norbert Kohler /
SF Wiesbach)
Übrigens sind im gesamten
Turniersaal nur noch 2 Personen absolut verlustpunktfrei: Michael Meiser aus
Heusweiler im A-Turnier und Alexander Schreck (Jägersburg) im C-Turnier.
Mario
5. Spieltag - 07. April 2009
Bonjour tristesse. Nun habe
ich also auch eine Partie verloren. Unnötigerweise, weil ich im Mittelspiel
gegen Achim Wild auf Gewinn gestanden habe. Aber ich fand keine entscheidende
Fortsetzung meines Angriffs, Achim konnte die Damen tauschen und als Resultat
landete ich in einem schlechteren Endspiel, das ich nach weiteren 30 Zügen
Irrungen und Wirrungen schließlich aufgeben musste.
Ziegler,Mario – Wild,Achim
SEM
Schiffweiler, MBT (5), 07.04.2009
Eigentlich sieht es so aus, als müsste die schwarze
Stellung jeden Augenblick zusammenbrechen, aber weder in der Partie noch in der
Analyse fand ich eine zwingende Fortsetzung. Es folgte: 20...Se7 21.Lxe7 (Der muss weg, sonst stabilisiert er auf f5
oder g6 die schwarze Stellung ungemein.) 21…Txe7 22.Dh4 bxc3 23.bxc3 Dd8
24.Sg4?! (Der entscheidende Fehler, denn nun kann Schwarz die Damen
tauschen. Besser war z.B. 24.Tf3.) 24...Te8 25.Dg3 Dg5 26.Sf4 h5 27.Sh2 Dxg3
28.Txg3 g6 und die schwarze
Stellung ist wegen des nun deplazierten Tg3 mittlerweile besser.
In der Summe kann man sagen,
dass sich das Glück in meiner Partie gegen Burkhard Braun und das Pech in der
heutigen damit einigermaßen ausgeglichen haben, aber dieses Bewusstsein hilft
im Moment der Niederlage wenig. Ich verließ die Halle so schnell wie möglich –
in solchen Augenblicken kann ich nur sehr schlecht gut gelaunte Schachfreunde
ertragen, und solche gibt es natürlich jede Menge bei einer SEM.
Was gibt es sonst noch zu
berichten? Im MAT endete die Spitzenpartie zwischen Herbert Bastian und Hendrik
Tabatt mit einem Remis, und da gleichzeitig Ronny Müller gegen seinen
Vereinskameraden Stefan Busche ebenfalls über eine Punkteteilung nicht
hinauskam, geht Hendrik mit einem halben Punkt Vorsprung in die 6. Runde und
das vermutlich vorentscheidende Duell mit Ronny, in dem er zusätzlich die
weißen Steine führt. Selbstverständlich ist das Turnier auch nach dieser 6.
Runde noch nicht beendet, aber angesichts der Tatsache, dass Hendrik bei einem
Sieg allein in Führung bleiben würde und mit Herbert, Ronny und Thomas Becker
bereits gegen seine Hauptkonkurrenten gespielt hat, kann man durchaus von einem
Matchball für Hendrik sprechen (obwohl er das nicht gerne hören wird….).

Auch im MBT ist die
Situation an der Spitze einigermaßen eindeutig. Burkhard Braun besiegte Eduard
Radtke an ersten Brett und liegt nun mit bärenstarken 4,5 Punkten allein in
Führung. Morgen wird es zum Vergleich mit seinem einzigen Verfolger, Wolfgang
Bender, kommen, der 4 Punkte aufweist.
Mario
6. Spieltag - 08. April 2009
Gott sei Dank, ich kann auch
noch gewinnen J.
Und sogar mit Schwarz. Aber ich habe während meiner Partie gegen Hauke
Ratayczak, in der ich nach der Eröffnung durch eine Schwächung der weißen
Felder im gegnerischen Lager in Vorteil gekommen war, fast in jedem Zug daran
denken müssen, was mir in der Runde zuvor passiert war. Nur nicht oberflächlich
spielen, nur nicht den Vorteil noch wegwerfen! Natürlich habe ich dennoch
ungenau gespielt, wie mir unmittelbar nach der Partie Thomas Schütz („Seit
Viertel nach 5 war deine Partie gewonnen. Ich habe extra auf die Uhr
geschaut.“) und zu Hause auch mein Computer demonstrierten.
Ratayczak,Hauke – Ziegler,Mario
SEM
Schiffweiler, MBT (6), 08.04.2009
20.c4 Ein
notwendiger Zug, um überhaupt irgendwelches Gegenspiel zu bekommen. Wenn Weiß
einfach abwartet, zentralsiert Schwarz seine Türme und schiebt dann den e-
und/oder f-Bauern vor. 20...g4 21.Sg1? Hier steht der Springer dem Th1
zu sehr im Weg. Hauke wollte ihn sicher so schnell wie möglich über e2 nach f4
überführen, aber in der Praxis ist das nicht leicht. Daher war 21.Sh4 (auch
wenn der Springer am Rande bekanntlich Schande bringt) besser, zumal dies den
Vormarsch des schwarzen h-Bauern blockiert hätte. 21...dxc4 22.Txc4 Sf6 23.h3
(23.Sxc5? Lxc5 24.Txc5 Se4–+) 23...Db7+ 24.Kh2 Se4 Schwarz steht
offenkundig viel besser. Die Schwäche der weißen Felder und v.a. der Diagonale
a8-h1 ist gravierend. Die Aktivierung des Sg1 über e2 scheitert immer an
...Sg5, was das hässliche Schach auf f3 droht. So bleibt der Sg1 und der Th1
passiv, und Schwarz kann seine Stellung in Ruhe verstärken. Sehr gut und
eigentlich nahe liegend wäre ...h6-h5-h4 gewesen, was mir während der Partie
entging, aber auch die Verdoppelung der Türme auf der d-Linie reichte zum
Gewinn.
Unangefochten an der Spitze
des MBT thront mittlerweile Burkhard Braun, der mit Schwarz Wolfgang Bender
schlägt. 5,5 Punkte aus 6 Runden sind ein sensationelles Ergebnis, das ihn fast
schon wie den sicheren Sieger aussehen lässt. Um die Aufstiegsplätze 2-4 gibt
es ein dichtes Gedrängel, in dem im Augenblick Walter Sonnhalter und Achim Wild
mit jeweils 4,5 Punkten die besten Karten haben.
Ein ähnliches Bild im MAT.
Hendrik Tabatt schlägt Ronny Müller, gegen den er schon nach wenigen Zügen einen
Mehrbauern hat. Wenn mein Bericht von gestern zutrifft, war das schon die
Entscheidung um den Titel. Hendrik hat ebenfalls einen vollen Punkt Vorsprung,
da Herbert Bastian gegen Stefan Busche nur Remis spielt. Heute muss Hendrik mit
den schwarzen Steinen gegen Hanno Spengler ran, und sollte er auch diese Partie
gewinnen, wären wohl alle Zweifel ausgeräumt.
Mario
7. Spieltag - 09. April 2009
Die Entscheidung ist in
beiden Meisterturnieren noch einmal vertagt. Hendrik Tabatt riskiert im MAT
gegen Hanno Spengler mit den schwarzen Steinen nichts, wählt einen soliden
Aufbau und remisiert nach 19 Zügen. Durch einen Sieg gegen Stefan Busche kann
so Thomas Becker wieder bis auf einen halben Zähler an den Führenden
heranrücken. Außer diesen beiden kommt wohl niemand mehr für den Titel in
Frage. Heute könnte bereits die Entscheidung fallen, falls Hendrik gegen Stefan
Busche (allerdings wieder mit den schwarzen Figuren) gewinnen und Thomas gegen
Herbert Bastian verlieren sollte.
Gleiches Bild im MBT.
Burkhard Braun bekommt nach einem Fingerfehler von Achim Wild das Läuferpaar
und damit die dauerhaft besseren Aussichten, verzichtet aber auf Gewinnversuche
– Remis in 18, wonach er mit nach wie vor phantastischen 6 Punkten aus 7
Partien alleiniger Führender bleibt. Aber auch hier nutzt der Verfolger seine
Chance: Walter Sonnhalter schlägt Jean-Pierre Dorozala nach hartem Kampf und
schiebt sich mit 5,5 Punkten etwas näher an Burkhard heran. Von den Verfolgern
hat nur Achim Wild 5 Punkte, aber nicht weniger als 5 Spieler 4,5 – ein enger
Zieleinlauf kündigt sich an. Zur Erinnerung: 4 Spieler steigen ins MAT auf.
Zu dieser Verfolgergruppe
zähle mittlerweile auch wieder ich selbst. Dabei profitierte ich von einem
Bauernverlust meines Gegners Eduard Radtke bereits in der Eröffnung. Diesem
Bauern lief Eduard während der ganzen Partie nach. Letztlich gelang es ihm
trotz zäher Verteidigung nicht, ein Leichtfigurenendspiel zu halten.
(Photo: Herbert Gensheimer)
Eine lustige Partie ergab
sich zwischen meinen Vereinskameraden Ulrich Wolf und Alexander Gress. Das
Remis war beschlossene Sache, lediglich die Art der Ausführung war ungewöhnlich
und erregte einiges Aufsehen unter den Zuschauern:
Wolf,Ulrich – Gress,Alexander
SEM 2009
MBT Schiffweiler (7), 09.04.2009
1.d4 e5 2.Dd2 a5 3.Df4
Lb4+ 4.Sd2 d6 5.h3 Le6 6.a4 f5 7.Ta3 e4 8.Dh2 Dh4 9.Tg3 Lb3 10.c4 c5 11.d5 f4
12.f3 e3 ½–½
Patt bei vollem Brett!
Mario
8./9. Spieltag - 10./11. April 2009 (Abschlussbericht)
9 Runden Schach in
Schiffweiler sind vorbei. 9 Tage mehr oder weniger hochklassige Kämpfe, starke
und weniger starke Züge, Triumphe und Niederlagen. Welches Fazit bleibt?
Die Organisation des
Kongresses war aus meiner Sicht sehr gut. Dem ausrichtenden Verein SV
Schiffweiler darf man ein Kompliment für einen schönen Schachkongress machen.
Zu danken ist, wie immer bei solchen Gelegenheiten, den zahlreichen Helfern,
die hinter den Kulissen tätig sind und ohne die eine solche Großveranstaltung
nicht durchzuführen wäre.
Das sportliche Fazit wird
von Teilnehmer zu Teilnehmer natürlich unterschiedlich ausfallen. Wie in einem
früheren Bericht angesprochen glänzten zahlreiche starke Spieler durch
Abwesenheit. Dieses Problem ist nicht neu, dennoch mutet es sonderbar an, wenn
die Durchschnitts-DWZ der Zuschauer des MAT an manchen Tagen ähnlich hoch war
wie die Durchschnitts-DWZ der Spieler.
Hendrik Tabatts Sieg im MAT
war letztlich ungefährdet und souverän. Hendrik selbst bezeichnete später die
Auftaktrunde als die bereits entscheidende. In der Tat gelang es keinem der
Mitfavoriten mehr, den früh verlorenen Boden wieder gutzumachen. In manchen
Momenten konnte Hendrik deutlich den Fuß vom Gas nehmen und das letzte Risiko
vermeiden, da auch ein sicheres Remis zur Führung in der Tabelle reichte. So
wurde zumindest ich den Eindruck nicht los, dass sogar ein noch besseres
Ergebnis für ihn möglich gewesen wäre als die starken 7 Punkte, mit denen er
das restliche Feld um 1,5 Zähler distanzierte. Die dritte Saarlandmeisterschaft
bringt Hendrik in der ewigen Siegerliste auf den geteilten 3. Platz, zusammen
mit Harald Wagner, hinter dem unangefochten führenden Herbert Bastian (19
Meisterschaften) und Otto Benkner (11).
Hinter Hendrik sind die
Abstände sehr gering. 5 Spieler folgen punktgleich mit 5,5 Zählern, der Abstand
vom Vizemeister zum ersten Abstiegsplatz beträgt gerade 1,5 Punkte. Hanno
Spengler gelingt nach 2007 zum zweiten Mal das Kunststück, Platz 2 im MAT zu
erreichen und verschiedene deutlich stärker eingeschätzte Spieler hinter sich
zu lassen.
Im MBT kam nach Burkhard
Brauns beeindruckender Vorstellung nicht mehr recht Spannung auf. 8 Punkte sind
zu deutlich, auch hier folgen die Nächstplazierten erst mit 1,5 Punkten
Abstand. Mit Achim Wild und Alexander Gress gelingt zwei Nachwuchsspielern den
Sprung ins MAT. Mir selbst bleibt selbiges verwehrt, was nicht zum geringsten
Teil am wenig sportlichen Verhalten von Jörg Simons lag, der seine
Schlussrundenpartie gegen Alexander Gress kampflos aufgab und Alexander damit
den Weg ins MAT sehr leicht machte. Damit soll selbstverständlich nicht Alexanders
Leistung während der SEM geschmälert werden, ihm war der kampflose Sieg selbst
mehr als unangenehm.
Besondere Aufmerksamkeit
verdient auch der erste Titelgewinn von Fritz Klicker im Seniorenturnier. Nach
8 starken Runden, die ihm einen beruhigenden Vorsprung von einem ganzen Punkt
eingebracht hatten, leistete er sich ausgerechnet in der Schlussrunde die erste
Niederlage, die allerdings ohne Folgen blieb, da sein einziger Verfolger Luis
Mischke über ein Remis nicht hinaus kam.
Zum Abschluss einige
Impressionen vom Turnier:
Die Mühlbachhalle,
Ausrichtungsort des diesjährigen Schachkongresses
Schiedsrichter Michael Weber
bei der Arbeit
Der obligatorische Blick auf
die Tabelle: Wie steh ich denn?
Die Analyse nach der Partie:
Dominik Faas gegen Stefan Busche, Runde 4
Blick ins MBT vor der
5.Runde: Braun gegen Radtke, Grewenig gegen Gress
Vorfreude auf die letzte
Runde, oder: Gott sei Dank, bald isses vorbei? Hauke Ratayczak und Michael
Weber vor der Schlussrunde
Susanne Stolz, Caissa
Schwarzenbach, Siegerin des B-Turniers
Das große Getümmel vor der
Schlussrunde.
Mit diesen Bildern
verabschiede ich mich von der diesjährigen SEM. Wir hoffen ihr hattet
ebensoviel Freude an diesen Tagen, dem Spiel, dem Zusammentreffen mit alten
Bekannten und evtl. an dem ein oder anderen eigenen Erfolg wie wir.
Kommendes Jahr findet der
Schachkongress in Homburg statt, wo wir uns sicher wieder sehen werden.
Mario
Allerlei Wissenswertes direkt von den Veranstaltern unter http://www.schachkongress-saarland.de/
zurück
zu ChessCoach