
SEM 2010 – Ein
Zwischenbericht nach 3 Runden
Ein Drittel der diesjährigen
Saarländischen Einzelmeisterschaft ist gespielt, und es wird Zeit für einen
ersten Zwischenbericht. Einige Tendenzen sind mittlerweile zu erkennen, aber
Vieles ist natürlich noch offen – was dem Berichterstatter reichlich Raum
für
Spekulationen gibt…
„Die Teilnehmerzahl ist
deutlich rückläufig. … Was die Qualität angeht, so kann man natürlich über das Fehlen
diverser Spitzenspieler jammern, aber das erscheint mir müßig. Der Trend, dass
sich viele der besten Spieler von der SEM zurückziehen, dauert seit etlichen
Jahren an.“
So begann mein Bericht über
die SEM des vergangenen Jahres in Schiffweiler. Seitdem sind 12 Monate
vergangen, mein Verein, der SC Caissa Schwarzenbach, bemühte sich nach Kräften
um die professionelle Ausrichtung der SEM und viele Hebel wurden in Bewegung
gesetzt (in diesem Zusammenhang muss den zahlreichen Helfern gedankt werden,
die unendlich viel Zeit und Kraft für diese Saarlandmeisterschaft
investierten). Als Spielort wurde die Aula des Homburger Gymnasiums „Johanneum“
gewonnen, ein ausnehmend schöner Spielort, dessen Anordnung der verschiedenen
Turniere auf mehreren Ebenen dem Kongress ein besonderes Flair gibt. Und wie
jedes Jahr ist dieses Turnier eine Gelegenheit, Schachspieler aus dem ganzen
Saarland zu treffen, die man ansonsten kaum zu sehen bekommt, Neuigkeiten
auszutauschen und über Dinge zu diskutieren, über die man sich ansonsten
allenfalls im „Saarschach-Forum“ aufregen könnte.
Aula Johanneum 1
Aula Johanneum 2
Aus Sicht des Schiedsrichters
Aber um auf die Minuspunkte
aus dem vergangenen Jahr zurückzukommen: Alles wie gehabt. 2009 nahmen 206
Schachfreunde teil, dieses Jahr sind es lediglich 165. Liegt Homburg den
saarländischen Schachfreunden zu „entlegen“, zu sehr am östlichen Rand? Bei den
bescheidenen Ausmaßen unseres Bundeslandes ist dies in meinen Augen kein gutes
Argument.
Was ebenso erschreckend ist
wie die fehlende Quantität ist die fehlende Qualität des Meister-A-Turniers. In
Schiffweiler nahmen immerhin noch 3 Spieler mit einer DWZ über 2200 teil, dazu
ebenso viele Spieler über 2100. Nicht toll, aber immerhin ein Feld, das
einigermaßen die Bezeichnung „Meister-A-Turnier“ verdiente. Und dieses Jahr?
Angesichts der Namen, die vor dem Turnier gehandelt wurden – Stephan Becking,
Frank Meyer, Georg Groß, Alex Hort und einige andere – konnte ich es kaum
fassen, als ich die Startliste sah. Die „unvermeidlichen“ Herbert Bastian (SVG
Saarbrücken) und Hendrik Tabatt (Schwarzenbach), dazu der Saarbrücker
Bundesligaspieler Dr. Christian Vogel. Das wars an Spielern über 2100 DWZ.
Unfassbar! Und auch im Bereich zwischen 2000 und 2100 fehlen bedauerlicherweise
Spieler, die in den letzten Jahren Stammgäste des Turniers gewesen sind. Durch
den krankheitsbedingten Ausfall der Siersburger Nachwuchshoffnung Achim Wild
wurde ein Platz im MAT frei, der an mich vergeben wurde. So schön es für mich
persönlich ist, unerwartet wieder die Chance zu haben, im MAT mitzuspielen,
sagt es alles über die Qualität der saarländischen Meisterturniere, dass ein
Spieler mit einer DWZ von 1951 ins MAT rutscht, weil es einfach keinen höher
gewerteten Nachrücker gibt.
Besonders bedauerlich ist,
dass der eine oder andere der Ferngebliebenen einem attraktiveren Open den
Vorzug vor der SEM gibt. Dies ist einerseits verständlich, andererseits aber
sollte man von Seiten des SSV versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken. Ich
glaube kaum, dass dies durch eine Elo-Auswertung der Meisterturniere geschehen
kann, wie teilweise im „Saarschach-Forum“ gefordert, denn wenn man Bedenken
hat, in einem schwach besetzen MAT die DWZ zu verderben kann es kaum ein
Argument für eine Teilnahme sein, dass man sich gleichzeitig auch noch die Elo
verderben kann J.
Nach 3 Runden im
diesjährigen MAT sieht Vieles nach dem 20. Meistertitel von Herbert Bastian
aus, der nicht nur seine drei ersten Partien gegen Jörg Vogel, Manfred Hell und
Thomas Becker gewinnen konnte, sondern auch – mit Ausnahme eines leichten
Wacklers gegen Hell – einen sehr souveränen Eindruck hinterlies. Was aber noch
wichtiger ist: Die Konkurrenten haben samt und sonders schon reichlich Federn
gelassen. Besonders Hendrik Tabatt kam nicht gut in das Turnier. In der ersten
Runde erregten die wilden Verwicklungen in seiner Partie gegen Manfred Hell,
bei denen auf beiden Seiten diverse Steine hingen, großes Aufsehen bei den
Kiebitzen, aber am Ende ging Manfred mit einer Mehrfigur aus den Komplikationen
hervor und führte die Partie danach problemlos zum Sieg. Nach einem
ansprechenden Angriffssieg in der 2. Runde gegen Jörg Vogel ließ Hendrik dann
gegen einen weiteren Winterbacher, den letztjährigen Vizemeister Hanno
Spengler, einen weiteren halben Punkt liegen. 1,5 Zähler Rückstand auf Herbert
ist sehr viel – ich weiß genau, dass Herbert mir heftig widersprechen würde,
aber ich persönlich denke, es ist schon zu viel.
Im MBT spielen
erfreulicherweise die Nachwuchskräfte bislang eine sehr gute Rolle und setzen
den erfahrenen Spielern ordentlich zu. Alleiniger Spitzenreiter ist Frederik
Fries (Bliestal) mit 3 Punkten, gefolgt von Marco Sgarlata (SVG Saarbrücken)
mit 2,5. Zum großen Pulk der Teilnehmer mit 2 Punkten zählen mit Denis Müller
(Wadgassen-Differten), Carsten Becker (Schwalbach), Michael Meiser
(Heusweiler), Daniel Fernschild (Ostertal) und Hans-Ulrich Barmbold (Bexbach)
weitere Spieler der jüngeren Generation.
Und auch in den offenen
Turnieren klären sich langsam die Fronten. Mit Michael Schera (SVG Saarbrücken)
haben wir einen alleinig Führenden im A-Turnier, in den Turnieren B und D sind
mit Mike Hübschen (Eppelborn) und Daniel Kovacs (Püttlingen) bzw. Dany Heim
(GEMA St. Ingbert) und Philipp Wolsdorfer (Völklingen) jeweils 2 Spieler
punktgleich an der Spitzen. Ein besonders spannendes Rennen bahnt sich im
C-Turnier an, wo kein Teilnehmer mehr eine weiße Weste vorweisen kann und sogar
5 Spieler mit jeweils 2,5 Zählern an der Spitzen stehen.
Noch ein Blick ins
Seniorenturnier. Hier kam Titelverteidiger Fritz Klicker (Riegelsberg) schwer
in Tritt und liegt mit 1,5 Punkten momentan im Mittelfeld. Auch DWZ-Favorit
Günther Seyffer (GEMA St. Ingbert) kassierte in der 3. Runde eine Niederlage.
An der Spitzen steht zur Zeit Werner Bauer (SVG Saarbrücken) mit 3 Punkten vor
Klaus Fess (Schwarzenbach) und Alois Becker (Bliestal) mit jeweils 2,5.
Mario
Noch einige
Impressionen rund ums Turnier:
Eröffnung des Turniers durch
den Schwarzenbacher Vorsitzenden Edgar Velten
Die Helfer in der Küche
Vor Beginn der 2. Runde im
MAT
Jörg Becker wirkt vor seiner
Partie gegen Jens Barmbold noch etwas verschlafen …
… während Jens Barmbold das
Mineralwasser schon die nötige Frische verleiht
Auf der obersten Ebene
findet das D-Turnier statt
Galaktisches Schach wurde – trotz der Dekoration der Aula – nicht immer gespielt
Mario
4.
Spieltag - 29. März 2010
SEM die Vierte
Im MAT zieht Herbert Bastian
weiter seine Kreise. Auch in der Schwarzpartie gegen Hanno Spengler
(Winterbach) bleibt er erfolgreich, obwohl das Endspiel trotz Mehrbauer für
Bastian von den Kiebitzen mehrheitlich als Remis eingeschätzt wird – vielleicht
Wunschdenken derjenigen, die auf etwas Spannung im Kampf um die Meisterschaft
hoffen.
Hanno Spengler gegen Herbert
Bastian
Das Feld folgt nach wie vor
mit großem Abstand. In den Verfolgerduellen SVG Saarbrücken gegen Schwarzenbach
blieben jeweils die Spieler des Gastgebers erfolgreich. Dr. Stephan Busemann
kann ein vorteilhaftes Schwerfigurenendspiel gegen Martin Schmidt gewinnen
(nachdem er zuvor einen „einfachen“ Gewinn ausgelassen hatte), mir gelingt ein
etwas glücklicher Sieg in einer zeitweilig deutlich schlechter stehenden Partie
gegen Dr. Christian Vogel. Hinter diesen beiden Spielern mit 3 Punkten folgt
eine Gruppe mit 2,5, zu der nach seinem heutigen Sieg gegen Alexander Fuchs
(Püttlingen) auch Hendrik Tabatt gehört.
Das MBT sieht weiterhin
Frederik Fries (Bliestal) mit 3,5 Zählern in Front, der sich heute von Marco
Sgarlata (SVG Saarbrücken) remis trennt.
Frederik Fries in
seiner Schwarzpartie gegen Marco Sgarlata
Dies gibt 4 weiteren
Spielern die Gelegenheit, mit jeweils 3 Punkten zu Sgarlata aufzuschließen:
Jugendsaarlandmeister Denis Müller (Wadgassen-Differten), Thomas Deutsch (GEMA
St. Ingbert), Daniel Fernschild (Ostertal) und Thierry Laufer (Siersburg),
kurioserweise alle vier durch Schwarzsiege.
Im Seniorenturnier geht es
weiterhin eng zu. Werner Bauer (SVG Saarbrücken) behauptet durch ein Remis
gegen Klaus Fess (Schwarzenbach) seinen knappen Vorsprung, doch kommen mit
Günther Seyffer (GEMA St. Ingbert) und Heinz Wirtz (Gambit Saarbrücken) zwei
Spieler aus dem Verfolgerfeld zu Siegen und rangieren nun mit 3 Punkten nur
einen halben Zähler hinter Bauer.
Spitzenpartie Fess-Bauer
Zuletzt die Quizfrage des Tages:
Was will uns der
Sprudelkasten neben dem Brett von Hendrik Tabatt sagen?
Antwort A: „Mann, hab ich
einen Durst, da trink ich sogar Wasser!“
Antwort B: „Ich spiel diese
Woche echt wie Flasche leer!“
Mario
5.
Spieltag - 30. März 2010
Die SEM ist auch immer eine
Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen, die man schon ewig nicht mehr gesehen
hat, und die vielleicht gar kein Schach mehr spielen. Nachdem mir in den
letzten Tagen mehrfach mein alter Mannschaftskamerad Gennadi Merissow über den
Weg gelaufen ist, besuchten heute mit Tim Biehl und Katharina Kunz zwei
ehemalige Schachschüler von mir (Tim trainierte ich längere Zeit im Verein,
Katharina mehrfach bei Kaderlehrgängen) das Turnier. Wenn man dann sieht, dass
beide mittlerweile mit ihrem Studium fertig oder fast fertig sind, erinnert man
sich daran, dass man eigentlich selbst schon verdammt alt ist.
Ob sich dieses Resultat
wiederholen wird, weiß ich natürlich nicht, und Herbert erklärte mir vor seiner
gestrigen Partie gegen Dr. Stephan Busemann, er sei eigentlich krank und habe
schon in zwei Partien gewackelt. Nun ja, dafür ist sein Ergebnis bislang ja
noch einigermaßen erträglich. Gegen Stephan kam er mit den schwarzen Steinen zu
seinem fünften Sieg und hat nun bereits 1,5 Punkte Vorsprung auf die Verfolger.
Zu diesen gehört immer noch
nicht Hendrik Tabatt, der mit einem Remis gegen den Vereinskameraden Jörg
Becker wohl auch die letzten theoretischen Chancen auf die Titelverteidigung ad
acta legen musste. Er befindet sich nun mit 3 Punkten im dichten Verfolgerfeld
und kann natürlich bei einem guten Endspurt noch aufs „Treppchen“ kommen, aber
ganz sicher nicht mehr nach dem Titel greifen.
Meine eigene Partie geriet
zu einer stundenlangen Verteidigungsschlacht gegen Thomas Becker, nachdem ich
die Eröffnung übelst in den Sand gesetzt hatte. Immerhin gelang es mir, aus
einem verlorenen Mittelspiel in ein Leichtfigurenendspiel zu entkommen, das
angesichts des gegnerischen Mehrbauern und des gegnerischen Läuferpaars
allerdings ebenfalls verloren war. Auf irgendwelche wundersame Weisen gelang es
mir dann, doch noch Remis zu halten. Als Belohnung darf ich in der kommenden
Runde mit den schwarzen Figuren gegen Hendrik spielen …
Im MBT geht es langsam in
die entscheidende Phase, und wie bereits mehrfach geschrieben, sind es hier die
jüngeren Spieler, die die Akzente setzen. Frederik Fries (4,5 Punkte) vor Marco
Sgarlata und Denis Müller (4,0), dahinter Rick Frischmann aus Riegelsberg
(3,5), der nach schlechtem Start mit 3 Siegen in Folge mächtig in Fahrt
gekommen ist.
Im A-Turnier verlor Spitzenreiter
Michael Schera (SVG Saarbrücken) gestern seine Partie gegen Rainer Maurer
(Schwalbach). Die Gunst der Stunde nutzte Alexander Schreck (Jägersburg), der
durch einen Schwarzsieg zu den beiden Führenden aufschließen konnte. Auch im C-
und D-Turnier stehen jeweils 3 Spieler/innen mit 4 Punkten an der Spitze,
während im B-Turnier Daniel Kovacs (Püttlingen) bislang noch nichts abgab und
bereits 1,5 Punkte Vorsprung auf die Verfolger aufweist. Im Seniorenturnier
konnte Werner Bauer (SVG Saarbrücken) seine gestrige Partie gegen Heinz Wirtz
(Gambit Saarbrücken) für sich entscheiden und steuert mit 4,5 Punkten und einem
vollen Zähler Vorsprung auf den Meistertitel zu.
Tabellenführer Werner Bauer
in seiner Partie gegen Heinz Wirtz
Mario
6.
Spieltag - 31. März 2010
Zeit der Spitzenspiele
In der Fussballbundesliga
ist in diesen Wochen die Zeit der Spitzenspiele angebrochen, und die Fans von
Schalke, Bayern und Leverkusen fiebern den direkten Duellen der
Meisterschaftsaspiranten entgegen. Und auch in der SEM kommen nun die Runden,
in denen sich Auf- und Abstieg und die Meisterschaft entscheiden wird.
Im MAT ist es doch noch
einmal spannend geworden. Hendrik Tabatt besiegte mich in einer unspektakulären
Kurzpartie, die ich durch Einstellen der Dame noch wesentlich abkürzte, zur
gleichen Zeit sorgte der Saarlandmeister des Jahres 2000, Jens Barmbold, durch
einen Schwarzsieg gegen Herbert Bastian dafür, dass nun im MAT plötzlich 3
Spieler wieder um den Titel kämpfen können. Herbert hat mit 5 Punkten noch
immer die besten Karten, aber Jens (4,5) und Hendrik (4) sind mittlerweile in
Reichweite. In der 7. Runde wird es zum Showdown Bastian-Tabatt kommen, danach
mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch noch zu einer Partie zwischen Jens und
Hendrik.
Im MBT ist Rick Frischmann eindeutig
der Spieler der Stunde. Gegen Marco Sgarlata gewinnt er mit Schwarz seine 4.
Partie in Folge und belegt mittlerweile mit 4,5 Punkten den geteilten 2. Platz.
Ebenfalls auf 4,5 Zähler kommt Denis Müller, der sich in der 6. Runde von
Spitzenreiter Frederik Fries mit einem Remis trennt. In der 7. Runde wird es
zur Partie Frischmann-Fries kommen, und man muss kein Prophet sein um sagen zu
können, dass der Sieger dieser Partie im kommenden Jahr im MAT spielen wird.
Mario
7. Spieltag - 1. April 2010
Die Stunde der
Wahrheit
Sollte Herbert in der
heutigen 8. Runde nicht ausgerechnet gegen seinen Vereinskameraden Martin
Schmidt einen Zähler liegen lassen, wäre er wohl schon vor der letzten Runde
faktisch Turniersieger. Die Partie Tabatt-Barmbold ist ein „Endspiel“ um die
Vizemeisterschaft, wobei Hendrik zwar den Vorteil der weißen Steine, Jens aber
einen halben Zähler mehr in der Tabelle besitzt.
Mario